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Verrückte Show und Tolle Musik / Kurier / 1990

Gepost in Live recensies Blowbeat

13-04-1990 Pforzheim – Jazz Keller

KURIER – 26-04-1990
Dirk Fellinghauer

Verrückte Show und Tolle Musik
Die niederländische Gruppe ‘Blowbeat’ im Jazzkeller

Für da wohl witzigste Konzert in der Saison , wenn nicht gar in der Geschichte des Jazzkellers ,sorgte die vierköpfige holländische Formation ‘Blowbeat’ mit ihrem Auftritt. Eine Besonderheit ist diese Band , die angetreten ist ,die Reihe von Tulpen , Käse , Genever und van Gogh , Hollands bislang bekanntesten Exportartikeln , zu ergänzen , weil sie einen spritzigen und verrückte Bühnenshow mit anspruchsvollen musikalischen Leistungen vereint. Mit der Verpflichtung de Band haben die Programmacher des Jazzkellers ihre musikalische Offenheit bewiesen. FunkyWaveHeavyMetalBebop’nRollBeat” , diese Eigenbezeigung ihres Musikstils ist zwar , wie so manches bei Blowbeat , nicht ganz so ernst zu nehmen , aber miet Jazz haben ihre Stückenur im entfernsten zu tun.
“Wir haben keine Ahnung von Jazz” , kündigte dan auch Frontman Ton Engels zu Beginn des Konzerts an. Ton Engels , Sänger und Gitarrist mit Baseball-Kappe , auf der Bühne angezogenen Boxerstifeln ( “ ohnedie Schuhe läuft hier gar nichts” ) , einem unvergleichlichem Blick , unkoordinierten , überschnellen Tanz-bewegungen und einem verrückten Einfall nach den andern.
Seine Kollegen standen ihm in Sachen Verrücktheit Ausgeflipptheit nicht weit nach. Bassist Pieter Douma übersah sein Bierglas , dessen Inhalt sich kurz danauf über doe Bühne verteilte, Drummer René Creemers fiel mitten im Konzert ein , dass er austreten musste , und ein heisser Lambadaauf der Bühne durfte auch nicht fehlen.
Wenn die Musiker nicht mit irgendwelchen Albernkeiten beschäftigt waren , produzierten sie mitverblüffender Leichtigkeit fetzige , in Bein , Ohr , Kopf und Bauch gehende Songs. Würde man diese vier Typen auf der Strasse treffen , könnte man sich nur schwer vorstellen , dass siemehr als chaotischen Krach produzieren können. Aber sie können , und wie .Laut geht es zwar zu bei’Blowbeat’ , dafür sorgt schon die Instrumentierung. Von “Krach” unterscheidetsich ihre Musik aber in sofern , das ausgefeilte Arrangements von erstklassigen Musikern gespielt werden.
René Creemers gilt nicht umsonst als einer der besten Drummer der Niederlände und seine drei Kollegenstellten ebenfalls ihre Fähigkeiten hinreichend unter Beweis. Sei es in harten Riffs ,rollenden Grooves , oder lyrisch-melodiösen Passagen , die drei Saiteninstrumentensorgten für ein Wechselbad des Hörgenusses.
Die intelligenten Texte von Blowbeat haben typische Blues-Themen wie Frauen , Drinks und die traurigeEinsamkeit.
Was Blowbeat von Bluesbands unterscheidet ist , das es bei ihnen so gut wie nie traurig klingt. Dafür macht das Leben trotz allem viel zu viel Spass. Dieser Spass übertrug sich ihm kürzester Zeitauf das grosse Jazzkeller-Publikum .
So verklangen auch erst nach dem Rausschmeiss-song “ Let’s talk Shit” die Zugabenforderungen.

Ton E. In de Pers

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